Nach einem lockeren Feierabendlauf wirfst du einen Blick auf deine Laufuhr. Pace: 6:20 min/km. Herzfrequenz: im grünen Bereich. Dann fällt dir noch eine Zahl auf: 156 Schritte pro Minute. Beim nächsten Lauf sind es plötzlich 169 – obwohl sich das Tempo kaum verändert hat. Viele Freizeitläufer kennen solche Schwankungen und fragen sich irgendwann: Welche Schrittfrequenz ist eigentlich die richtige?
Tatsächlich gibt es darauf keine pauschale Antwort. Die ideale Kadenz hängt nicht nur vom Lauftempo ab, sondern auch von deiner Körpergröße, deiner Lauferfahrung, deiner Beweglichkeit und sogar davon, wie ausgeruht du bist. Gerade im Sommer, wenn hohe Temperaturen oder eine ungewohnte Trainingspause den Laufstil beeinflussen, können sich deutliche Unterschiede zeigen.
👉 Lade kostenlos das RegiVia Ebook herunter und finde Schritt für Schritt dein Idealgewicht wieder
👉 Entdecke alle meine Laufprogramme – vom Anfänger bis zum Marathon
Woran du dich orientieren kannst
Die oft zitierte Marke von 180 Schritten pro Minute stammt ursprünglich aus Beobachtungen bei Spitzenläufern während Wettkämpfen. Für Freizeitläufer ist sie jedoch kein allgemeingültiges Ziel.
Als grobe Orientierung können diese Bereiche dienen:
| Läufertyp | Typisches Lauftempo | Häufige Schrittfrequenz |
|---|---|---|
| Wiedereinstieg / Anfänger | 7:00–8:30 min/km | 145–160 SPM |
| Regelmäßige Freizeitläufer | 5:45–7:00 min/km | 160–170 SPM |
| Erfahrene Läufer | 4:30–5:45 min/km | 170–180 SPM |
| Wettkampforientierte Läufer | unter 4:30 min/km | 175–190 SPM |
Diese Werte sind keine Zielvorgaben. Viel wichtiger ist, dass deine Schrittfrequenz zu deinem natürlichen Laufstil passt und sich mit zunehmendem Tempo harmonisch verändert.
Warum zwei Läufer bei gleichem Tempo völlig unterschiedlich laufen können
Stell dir zwei Läufer vor, beide laufen konstant mit 5:50 min/km.
Der erste ist 1,65 Meter groß, läuft seit zehn Jahren regelmäßig und setzt die Füße relativ nah unter dem Körperschwerpunkt auf. Seine Uhr zeigt 176 Schritte pro Minute.
Laufen Kann man wirklich zu alt sein, um mit dem Laufen anzufangen?
Der zweite misst 1,90 Meter, hat lange Beine und beginnt erst seit wenigen Monaten mit dem Lauftraining. Seine Schrittfrequenz liegt bei 163.
Beide Werte können vollkommen sinnvoll sein.
Die Schrittlänge spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Frequenz. Größere Läufer benötigen oft weniger Schritte für dieselbe Distanz. Kleinere Läufer gleichen ihre kürzere Schrittlänge meist durch eine höhere Kadenz aus.
Wer ausschließlich versucht, seine Schrittfrequenz künstlich zu erhöhen, läuft deshalb schnell gegen seine eigene Biomechanik.
Die Erfahrung verändert den Laufstil stärker als viele denken
Interessant ist, dass sich die Schrittfrequenz bei vielen Läufern ganz von allein verändert.
Anfänger machen häufig sehr lange Schritte, landen deutlich vor dem Körperschwerpunkt und verlieren dabei Energie. Gleichzeitig ist ihre Kadenz oft niedriger.
Mit zunehmender Erfahrung passiert etwas anderes: Die Bewegungen werden flüssiger. Der Abdruck verbessert sich, die Arme arbeiten ruhiger und die Schritte werden ökonomischer. Oft steigt die Schrittfrequenz dadurch automatisch um einige Schritte pro Minute – ganz ohne bewusst daran zu arbeiten.
Genau deshalb entwickeln viele Läufer nach einigen Monaten Training plötzlich das Gefühl, leichter zu laufen, obwohl ihre Fitness nur langsam zunimmt.
Dieses effizientere Bewegungsmuster spart Kraft und reduziert häufig auch die Belastung auf Knie und Hüfte.
Laufen 45 oder 60 Minuten laufen: Welche Dauer bringt im August wirklich mehr Fortschritt?
Das Tempo bestimmt die Kadenz stärker als viele glauben
Viele Freizeitläufer vergleichen ihre Schrittfrequenz unabhängig vom Lauftempo. Dabei verändert sich beides fast immer gemeinsam.
Ein Beispiel:
- Beim regenerativen Dauerlauf erhöht sich meist die Schrittlänge kaum. Die Kadenz bleibt relativ niedrig.
- Im zügigen Dauerlauf wird automatisch schneller umgesetzt.
- Bei Intervallen steigt die Schrittfrequenz oft deutlich an, ohne dass bewusst darauf geachtet wird.
Wer also seine Werte vergleichen möchte, sollte immer ähnliche Einheiten miteinander vergleichen.
Eine Kadenz von 160 Schritten pro Minute kann beim lockeren Lauf völlig normal sein, während derselbe Wert bei einem schnellen 10-km-Rennen eher niedrig wäre.
Auch Müdigkeit und Hitze hinterlassen ihre Spuren
Anfang August erleben viele Läufer genau dieses Phänomen.
Nach einem heißen Arbeitstag wirken die Beine schwer. Die Muskulatur reagiert träger, die Laufhaltung verändert sich leicht und plötzlich sinkt auch die Schrittfrequenz. Manche machen unbewusst längere Schritte, andere verlieren etwas Dynamik im Abdruck.
Hinzu kommt die allgemeine Ermüdung. Schlechter Schlaf, beruflicher Stress oder mehrere intensive Trainingstage hintereinander beeinflussen den Bewegungsablauf oft stärker als vermutet.
Deshalb lohnt es sich, einzelne Werte nie isoliert zu betrachten. Eine niedrigere Kadenz an einem heißen Sommertag bedeutet nicht automatisch, dass dein Laufstil schlechter geworden ist.
Sie kann schlicht Ausdruck einer normalen Anpassung des Körpers sein.
Wann solltest du deine Schrittfrequenz überhaupt verändern?
Nicht jeder Läufer profitiert davon, bewusst an seiner Kadenz zu arbeiten. Im Gegenteil: Wer einen flüssigen, beschwerdefreien Laufstil hat und kontinuierlich Fortschritte macht, muss seine natürliche Bewegung oft gar nicht verändern.
Es gibt jedoch Situationen, in denen sich ein genauerer Blick lohnt:
- Du landest mit deutlich gestrecktem Bein weit vor dem Körper.
- Nach längeren Läufen treten regelmäßig Knie- oder Hüftbeschwerden auf.
- Dein Laufstil wirkt bei Videos schwerfällig oder wenig dynamisch.
- Trotz besserer Fitness fühlt sich das Laufen zunehmend anstrengend an.
In diesen Fällen geht es aber nicht darum, möglichst viele Schritte pro Minute zu erreichen. Ziel ist vielmehr ein ökonomischerer Bewegungsablauf.
Schon eine leichte Erhöhung der Kadenz um drei bis fünf Prozent kann dazu führen, dass der Fuß näher unter dem Körperschwerpunkt aufsetzt. Dadurch verkürzt sich häufig die Bodenkontaktzeit, die Bremswirkung nimmt ab und viele Läufer empfinden ihren Laufstil als flüssiger.
Die Körpergröße spielt eine größere Rolle, als viele vermuten
Immer wieder vergleichen Freizeitläufer ihre Daten mit Freunden oder Trainingspartnern. Dabei wird oft übersehen, dass die Anatomie entscheidenden Einfluss hat.
Ein Läufer mit langen Beinen legt bei jedem Schritt mehr Strecke zurück als jemand mit kleinerer Körpergröße. Deshalb ist eine niedrigere Schrittfrequenz nicht automatisch weniger effizient.
Hinzu kommen weitere Faktoren:
- Beweglichkeit der Hüfte
- Kraft der Gesäß- und Wadenmuskulatur
- Lauftechnik
- Schuhwahl
- Untergrund
- Steigungen oder Gefälle
Auf einem flachen Asphaltweg läuft sich meist anders als auf einem Waldweg oder einer hügeligen Runde. Schon kleine Veränderungen können die Schrittfrequenz um einige Schritte pro Minute verschieben, ohne dass sich deine Leistungsfähigkeit verändert.
Statt auf eine Zahl solltest du auf dein Laufgefühl achten
Moderne Laufuhren liefern unzählige Daten. Schrittfrequenz, Bodenkontaktzeit, vertikale Bewegung oder Schrittlänge lassen sich heute nahezu in Echtzeit verfolgen.
Laufen Warum eine kurze Laufrunde manchmal besser entspannt als ein freier Tag
Diese Werte sind hilfreich – solange sie richtig eingeordnet werden.
Wer während jedes Laufs ständig versucht, eine bestimmte Kadenz zu treffen, läuft oft verkrampfter statt lockerer. Die Aufmerksamkeit wandert von der eigenen Körperwahrnehmung auf das Display der Uhr.
Dabei liefern häufig ganz andere Signale die besseren Hinweise:
- Fühlst du dich auch nach mehreren Kilometern noch locker?
- Bleibt dein Laufrhythmus gleichmäßig?
- Kommst du mit wenig Kraftaufwand voran?
- Erholst du dich nach intensiven Einheiten gut?
Wenn diese Fragen überwiegend mit Ja beantwortet werden können, spricht vieles dafür, dass dein Laufstil bereits gut zu dir passt.
So kannst du deine Kadenz sinnvoll verbessern
Falls du dennoch an deiner Schrittfrequenz arbeiten möchtest, sollte dies behutsam erfolgen.
Bewährt haben sich kurze Technikübungen nach dem Einlaufen oder am Ende lockerer Läufe. Kniehebelauf, Anfersen, Skippings oder kurze Steigerungen verbessern oft ganz automatisch den Laufrhythmus.
Ebenso hilfreich sind lockere Berganläufe. An leichten Anstiegen verkürzt sich der Schritt fast von selbst, während die Frequenz leicht zunimmt. Viele Läufer entwickeln dadurch einen ökonomischeren Bewegungsablauf, ohne bewusst jeden Schritt kontrollieren zu müssen.
Entscheidend ist die Regelmäßigkeit. Kleine technische Verbesserungen über mehrere Wochen bringen meist deutlich mehr als eine radikale Umstellung innerhalb weniger Trainingseinheiten.
Die beste Schrittfrequenz ist selten eine feste Zahl
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis: Es gibt keine magische Kadenz, die für alle Läufer funktioniert.
Laufen Sollte man ab 45 wirklich noch fast alle Läufe im gleichen Tempo absolvieren?
Eine sinnvolle Schrittfrequenz entwickelt sich aus dem Zusammenspiel von Tempo, Körperbau, Erfahrung, Fitness und Tagesform. Sie verändert sich im Laufe der Trainingsjahre häufig ganz von selbst.
Wer sich auf einen lockeren, rhythmischen Laufstil konzentriert, regelmäßig trainiert und seinem Körper ausreichend Erholung gönnt, bewegt sich meist automatisch in einem Bereich, der zur eigenen Leistungsfähigkeit passt.
Die Schrittfrequenz ist deshalb weniger ein Ziel als ein Spiegel deiner Laufökonomie. Sie kann helfen, den eigenen Laufstil besser zu verstehen – sollte aber nie isoliert bewertet werden.
Wenn du deine Entwicklung über Monate beobachtest, wirst du oft feststellen, dass nicht die höchste Kadenz die besten Läufe begleitet, sondern jene Einheiten, in denen sich alles leicht, flüssig und kontrolliert angefühlt hat. Genau dort entsteht langfristig der größte Fortschritt.
👉 Entdecke alle meine Laufprogramme – vom Anfänger bis zum Marathon
👉 Entdecke, welche Muskeln du beim Laufen trainierst
👉 Lade kostenlos das RegiVia Ebook herunter und finde Schritt für Schritt dein Idealgewicht wieder









