Ende Juli beginnt für viele Läufer die heiße Phase der Marathonvorbereitung. Die langen Läufe werden länger, die Wochenkilometer steigen langsam an und auf der Sportuhr wächst Woche für Woche der Trainingsumfang.
Trotzdem bleibt bei vielen ein ungutes Gefühl.
„Ich laufe vielleicht noch nicht genug.“
Diese Sorge ist verständlich. Doch sie lenkt oft vom eigentlichen Problem ab. Denn viele Marathonläufer scheitern nicht daran, dass sie zu wenige Kilometer sammeln. Viel häufiger verlieren sie Zeit durch einen anderen Fehler: Sie verteilen ihre Belastung schlecht und trainieren dadurch dauerhaft müde.
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Was bringt mehr: zusätzliche Kilometer oder besseres Training?
Viele Freizeitläufer überschätzen die Bedeutung des Wochenumfangs.
Ein realistischer Vergleich zeigt, worauf es tatsächlich ankommt.
Läuferprofil Wochenkilometer Trainingsqualität Typische Entwicklung Wiedereinsteiger 25–40 km noch wechselhaft Fortschritte mit Unterbrechungen Regelmäßiger Marathonläufer 45–60 km gut strukturiert konstante Verbesserung Ambitionierter Läufer 60–80 km hohe Qualität und gute Regeneration stabile Leistungsentwicklung Überlasteter Läufer 70 km oder mehr viele intensive Einheiten häufig Müdigkeit und stagnierende Form
Die Tabelle macht deutlich: Mehr Kilometer garantieren keinen schnelleren Marathon.
Der eigentliche Fehler beginnt oft schon unter der Woche
Viele Läufer absolvieren ihren langen Lauf am Wochenende.
Bis dahin ist alles gut geplant.
Das Problem entsteht häufig zwischen Montag und Freitag.
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Der lockere Dauerlauf wird etwas schneller.
Das Intervalltraining wird verlängert.
Zusätzlich kommt noch ein spontaner Tempolauf dazu.
Am Wochenende sollen dann trotzdem 28 oder 30 Kilometer gelaufen werden.
Die Folge:
Der lange Lauf findet bereits mit müden Beinen statt.
Genau dadurch verliert diese wichtigste Einheit einen großen Teil ihres Trainingswertes.
Der lange Lauf braucht frische Beine
Der lange Lauf erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig.
Er verbessert den Fettstoffwechsel.
Er stärkt Muskulatur, Sehnen und Bänder.
Er trainiert die mentale Belastbarkeit.
Und er vermittelt Sicherheit für den Wettkampftag.
Damit diese Anpassungen entstehen können, sollte der Körper nicht bereits mehrere Tage erschöpft sein.
Viele Trainer akzeptieren deshalb lieber fünf Kilometer weniger in der Woche als einen langen Lauf, der komplett unter Vorermüdung absolviert wird.
Nicht jede Einheit muss hart sein
Gerade motivierte Marathonläufer neigen dazu, fast jede Trainingseinheit als Leistungsnachweis zu sehen.
Die Uhr zeigt eine gute Pace.
Der Puls darf ruhig etwas höher sein.
Schließlich möchte man Fortschritte machen.
Genau dadurch verschiebt sich jedoch die Belastungsverteilung.
Aus lockeren Einheiten werden mittlere Belastungen.
Aus mittleren Belastungen werden harte Einheiten.
Und irgendwann fehlt die Frische für die wirklich wichtigen Trainingsreize.
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Qualität statt ständiger Müdigkeit
Eine gute Marathonvorbereitung besteht nicht aus möglichst vielen anstrengenden Läufen.
Sie lebt von einer sinnvollen Kombination.
Ein ruhiger Grundlagenlauf.
Eine qualitativ hochwertige Tempoeinheit.
Ein langer Lauf.
Dazwischen genügend Erholung.
Diese Struktur ermöglicht es dem Körper, sich kontinuierlich anzupassen.
Wer dagegen dauerhaft mit schweren Beinen trainiert, sammelt zwar viele Kilometer, verbessert seine Leistungsfähigkeit jedoch oft deutlich langsamer.
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Im Hochsommer wird dieser Fehler noch größer
Ende Juli steigen die Temperaturen häufig deutlich an.
Viele Läufer versuchen trotzdem, ihre geplanten Umfänge unverändert durchzuziehen.
Dabei erhöht Hitze den Trainingsstress erheblich.
Ein lockerer Lauf fühlt sich plötzlich an wie ein Tempodauerlauf.
Der Flüssigkeitsverlust steigt.
Die Regeneration dauert länger.
Deshalb ist es völlig normal, einzelne Einheiten anzupassen.
Wer bei großer Hitze etwas langsamer läuft oder den Umfang leicht reduziert, verliert keine Form.
Oft verbessert sich dadurch sogar die Qualität der gesamten Trainingswoche.
Gute Marathonläufer denken in Wochen, nicht in einzelnen Läufen
Erfahrene Marathonläufer beurteilen ihr Training selten nach einer einzelnen Einheit.
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Sie betrachten vielmehr die gesamte Belastung.
War die Woche ausgewogen?
Gab es ausreichend Schlaf?
Fühlten sich die Beine beim langen Lauf noch locker an?
Konnten alle wichtigen Einheiten mit guter Qualität absolviert werden?
Diese Fragen liefern meist deutlich mehr Informationen als die reine Kilometerzahl.
Mehr Erholung bedeutet oft bessere Leistung
Viele Freizeitläufer haben Angst, durch einen zusätzlichen Ruhetag etwas zu verpassen.
In Wirklichkeit passiert häufig das Gegenteil.
Gut erholte Beine ermöglichen hochwertigere Trainingseinheiten.
Die Muskulatur arbeitet effizienter.
Die Lauftechnik bleibt sauber.
Auch das Verletzungsrisiko sinkt.
Gerade in einer mehrmonatigen Marathonvorbereitung kann diese Konstanz den entscheidenden Unterschied machen.
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Nicht die Kilometer gewinnen den Marathon
Natürlich spielt der Trainingsumfang eine wichtige Rolle.
Niemand bereitet sich mit wenigen kurzen Läufen erfolgreich auf 42,195 Kilometer vor.
Doch sobald eine solide Grundlage vorhanden ist, entscheidet oft etwas anderes über den Wettkampferfolg.
Wer seine Belastung klug verteilt, ausreichend regeneriert und die Qualität der wichtigsten Einheiten schützt, entwickelt sich häufig besser als jemand, der lediglich versucht, Woche für Woche noch mehr Kilometer zu sammeln.
Eine gute Marathonvorbereitung besteht deshalb nicht darin, möglichst viel zu laufen.
Sondern möglichst oft mit frischen Beinen genau das richtige Training zu absolvieren.
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